Balbina
Nico Wöhrle

Balbina

Balbina und der AHA-Effekt
Über das Nachdenken in U-Bahn und Supermarkt, und wie Eiswürfel schmelzen.

Es gibt sehr wenige Künstler im deutschen Popzirkus, über die sich das Feuilleton bereits vor der Veröff entlichung voll des Lobes und der Anerkennung äußert. Im Fall Balbina muss man, ohne anbiedernd zu sein, zugeben: Zurecht!

Die Leichtigkeit, mit der die 32-jährige Berlinerin aus unserer Alltags- und Umgangssprache Wörter und Metaphern zu einem einfach klingenden, doch bildgewaltigen Text zaubert, ist grandios. Man muss sich Zeit nehmen, nein, falsch, man wird sich die Zeit nehmen, nach dem ersten gehörten Song ihren Texten genau folgen zu wollen. Denn bei jedem Hören entdeckt man neue, feine sprachliche Nuancen, die einen innerlich lächeln lassen, nachdenklich machen oder einen Aha-Eff ekt auslösen. Deutsche Sprache wird lebendiger denn je und man fragt sich, ist das Realität oder öff net sich im Unterbewusstsein eine Tür in eine andere Welt der Fantasie?

Würdest du sagen, dass „Über das Grübeln“ eine Konzeptplatte ist?
Balbina: Vor der Fertigstellung hatte ich kein wirkliches Konzept im Kopf. Ich schrieb Songs über Themen, die mich interessiert haben. Und am Ende merkte ich, dass es alles Songs über das Nachdenken sind. Das jetzige Konzept entstand also eher zufällig. Und der Albumname kam erst, als ich nach einem roten Faden suchte. In dem Falle war es das Nachdenken.

Singst du in den Liedern ausschließlich von dir? Wenn ja, warum hast du so viele Sorgen?
Alles, was ich singe, habe ich in irgendeiner Art und Weise erfahren. Aber es muss mir nicht alles selbst passieren, manche Dinge kenne ich aus der Observation. Doch egal wie, ich setze mich in beiden Fällen mit all dem intensiv auseinander. Ich singe von dem, was mich interessiert, was ich beobachte, was mich umgibt. Das sind teilweise Empfindungen, die ich selbst habe oder in die ich mich hineinfühle, weil sie mir bekannt vorkommen. Oder es sind Empfindungen, die ich gern empfinden würde. Auch wenn ich nicht alles erlebt habe, handeln alle Songs auf einer sehr persönlichen Ebene.

Was inspiriert dich?
Ich habe keine definierte Inspirationsquelle. Es gibt Künstler, die sagen, ich muss an diesen oder jenen Ort, um mich inspirieren zu lassen. Eigentlich ist der Alltag meine Hauptinspiration. Das, was in der U-Bahn passiert, wenn ich zur Arbeit fahre. Das, was passiert, wenn ich kurz vor dem Schlafengehen bin, wenn ich im Supermarkt stehe usw. Oder wenn ich mir, wie jetzt, das vor mir stehende Glas anschaue, beobachte, wie die Eiswürfel schmelzen und es sich langsam wieder auffüllt. Das sind alles Sachen, die mir tagtäglich auffallen. Ich schreibe das alles in ein Heft, darin sortiere ich alle Gedanken nach Nummern. Wenn beispielsweise bei Nummer 3 schon ganz schön viel steht, überlege ich mir, wie ich das zusammenfassen könnte. Ich strukturiere die Notizen und spüre, wohin der Text mich führt, was er aussagt. Die eine Hälfte ist der Alltag, der mich inspiriert, die andere Hälfte das Ausarbeiten der Worte und Skizzen.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 1 (Sommer 2015).

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