Ferris MC
Sven Sindt

Ferris MC

Fleisch am Knochen
Vom Freak zum Opfer? Vom Reimemoster zum Popstar? Warum die Rückkehr von Ferris MC überfällig war.

Ein Hotelzimmer im Interconti, Berlin, vor 14 Jahren. Ferris MC ist die Ruhe selbst. Er rührt sich Honig in seinen Tee, raucht einen frisch gedrehten Joint und macht nebenbei Promo für sein Album „Fertich!“. Aber der ausgeglichene Eindruck täuschte, denn eigentlich war das eine Phase in seinem Leben, „in der ich auch fertich war!“, wie er sagt. „Da habe ich mal einen guten Tag gehabt.“ Trotzdem, das einzige, was ihn in dieser halben Stunde ein bisschen aufregte, war, dass ihm Ausverkauf und Verrat am HipHop vorgeworfen wurde, weil die Single „Flash for Ferris MC“ zu sehr Pop gewesen sein soll, mit ihrem Billy-Idol „Flesh for Fantasy“-Refrain. Ansonsten war Ferris so entspannt, dass er dem Interviewer sogar noch etwas Gras mit auf dem Weg gab.

Dass dieser Nachmittag eine Ausnahme im Leben des Sascha Reimann gewesen ist, kann man heraus finden, wenn man „Ferris“ mit „Interview“ oder „Ausraster“ googelt. Dann finden sich etliche Videobeispiele dafür, wie „fertich“ der Rapper viele Jahre lang gewesen ist. Sogar in Oliver Kalkofes „Mattscheibe“ hatte er es mit einem seiner Fernsehauftritte gebracht. Eine Zeit der Drogen und sogar der U-Haft. Nach dem Best Of „Düstere Legenden“ von 2006 schien es sicher, dass das bereits das Ende von Ferris MC darstellt. Ein neues Album war nicht geplant, vielleicht hätte seine neue Inkarnation als Electro-DJ die Zukunft sein können. Aber das Leben hatte etwas anderes mit ihm vor. „2008 kam das Schicksal oder der Zufall, was auch immer das war – dann kam halt Deichkind dazwischen.“ Seit sieben Jahren ist er jetzt schon festes Mitglied im größten Wanderzirkus des Landes, eine zweite Karriere mit der nicht zu rechnen gewesen war.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 1 (Sommer 2015).

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