Söhne Mannheims
Tommy Mardo

Söhne Mannheims

Evoluzion
Wie man Flexibilität und kreatives Chaos versöhnt und von der Wichtigkeit von Regeln – Michael Herberger über 20 Jahre Söhne Mannheims.

Die Truppe hat bereits 20 Jahre auf dem Buckel und das Jubiläumskonzert findet im Ehrenhof eines Schlosses statt: Des Mannheimer Schlosses. Sie wurden mit Preisen überhäuft, etwa mit zwei Goldenen Stimmgabeln, zwei Cometen und einem Echo. Sie haben bis zum Jahr 2014 mehr als fünf Millionen Tonträger verkauft. Und das, obwohl die Formation von Beginn an alles falsch gemacht hat, was man als Band so falsch machen kann. Aber alles der Reihe nach.

Der pure Spaß am Musikmachen
Als es mit den Söhnen Mannheims 1995 losgeht, lacht die gesamte Branche. „Wir sind damals mit 17 Künstlern auf der Bühne angetreten“, blickt Gründungsmitglied, musikalischer Direktor und Tastenmann Michael Herberger zurück, „sofort traten die großen Mahner und Warner auf den Plan und hatten ungefragt ihre Ratschläge parat: Das will keine Sau sehen, das kann nur im völligen Chaos enden. Ein logistisches Problem ist es zudem noch. Mit so vielen Musikern auf der Bühne kann auf keinen Fall Geld verdient werden. Also haben wir alles verkehrt gemacht. Alles. Genau so sollte man es nicht machen. Aber worum ging es uns? Danach hat niemand gefragt. Wir waren da und hatten Spaß am Musikmachen. Und geht es denn nicht genau darum?“ Genau darum geht es – um den puren Spaß am Musikmachen. „Mehr Gedanken über die Zukunft haben wir uns damals nicht gemacht“, fährt der Keyboarder fort, „wir sind drauf los gelaufen. Einfach so. In vollem Überschwang, weder von Zweifeln geplagt, noch hatten wir sonstige Bedenken. Wir haben genau das gemacht, von dem wir dachten, dass es richtig ist. Kunst macht einfach, ohne zu fragen.“ Damit beherzigen die Söhne Mannheims eine alte Weisheit, die da lautet, wer permanent darüber nachdenkt, ob er auf dem richtigen Weg ist, der findet ihn sowieso nie.

Faszination für die große Besetzung
Zweifel hin, Zweifel her, unterm Strich muss doch zugegeben werden, dass im Rock-Pop-Bereich Bands mit dieser Künstlerstärke eher ungewöhnlich sind. Außer vielleicht Polyphonic Spree, die warten gleich mit 24 Mitgliedern auf.

„Ich erinnere mich, als ich mit Xavier Naidoo, der damals noch Background bei Sabrina Setlur gesungen hat, in Dortmund war“, nimmt Michael Herberger den Faden wieder auf, „da haben Apollo 440 gespielt. Die sind damals mit zwei Schlagzeugern angetreten. Das fanden Xavier und ich so geil und haben gesagt, das müssen wir irgendwann auch machen. Der eine am besten elektronisch und der andere akustisch. Diese Rollen sollten später Bernd Herrmann und Ralf Gustke spielen. Vielleicht war das die unbewusste Grundsteinlegung für die Größe der Söhne Mannheims.“ Ein weiterer Grund der Faszination für die große Besetzung liegt im Musicalhype der 1990er-Jahre begründet. Beide Söhne Mannheims-Vordenker, nämlich Michael Herberger und Xavier Naidoo, kennen sich aus gemeinsamen Musicaltagen der Produktion „The Musical Project“. Naidoo hat hier gesungen und Herberger sich im Orchester ausgetobt. „Seitdem steh’ ich auf große Bands“, fügt er an, „von da an haben wir den Gedanken einer großen Band sich einfach weiterentwickeln lassen.“

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 1 (Sommer 2015).

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