Sophie Hunger
Chris Gonz

Sophie Hunger

Sophies Welt
Wie vier Monate Airbnb in den Vereinigten Staaten, die altmodische Art aufzunehmen und das Aufgeben einer Heimat zu Sophie Hungers bestem Album führten.

Sophie Hunger war noch nie jemand, der sich selbst sonderlich wichtig nimmt. „Ich habe es beim Singen in der Schule gemerkt: Meine Stimme ist laut“, sagte sie im Dezember 2008  zum Thema, wie ihre Karriere begonnen hat. Das war während ihrer ersten Interviews in Deutschland, in einem Büro im Universal-Gebäude in Berlin und sie war nervös. Fast ein bisschen unwillig und mürrisch. Schüchtern. Sie antwortete mal grübelnd und leise, um dann spontan und emotional etwas über sich preis zu geben, als müsste es unbedingt ausgesprochen werden. Schwer zu sagen, ob es Selbstzweifel waren oder einfach Trotz. Es schien ihr jedenfalls sehr recht zu sein, dass damals die Nachfrage nach Gesprächen mit ihr relativ gering war. Ihr erstes offizielles Album „Monday’s Ghost“ sollte zwar endlich in Deutschland veröffentlicht werden, nachdem es in ihrer Schweizer Heimat bereits Platz 1 der Charts erreicht hatte (wo es sich insgesamt 46 Wochen hielt), aber ihr selbst schien das alles nicht sonderlich wichtig zu sein. Ein französischer Kritiker nannte sie damals das „bestgehütete Geheimnis der Schweiz“, und das ergab Sinn. Außerdem passte es zu dem Eindruck, den man von ihr gewann: Sophie Hunger war offensichtlich unglaublich talentiert, aber gleichzeitig ein nicht zu lösendes Rätsel. Eine Musikerin wie keine andere, nicht ganz zu fassen, nicht einzuordnen, und mit einem Debütalbum, das ich damals eine fast perfekte Aufnahme nannte: „Nichts ist auf diesem Album gewöhnlich, alles leuchtet und funkelt. (…) Es ist Pop, aber nicht für Massen gemacht.“ Wenn man auch nur eine Sache schon damals ganz klar ausmachen konnte, dann das fast endlose Potential, das in ihr zu schlummern schien.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 1 (Sommer 2015).

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