WIRTZ
Chris Gonz

WIRTZ

Was würde Eddie Vedder tun?
Nach zehn Jahren ist WIRTZ vom Helden seiner Fans zur Rockgröße des Landes geworden.

Erst ging es für ihn als Sänger von Sub7even steil nach oben – und dann genauso schnell wieder runter. Als er die Band 2007 verließ, hätte wohl niemand mehr damit gerechnet, noch viel von Daniel Wirtz zu hören. Man hätte sich nicht mehr irren können ....

Als Wirtz vor zehn Jahren die ersten Lieder als Solosänger auf MySpace hochlud, ahnte er nicht, dass das der Neubeginn seiner Karriere sein würde. Verunsichert, seine Band Sub7even gefühlt am Ende, er selbst bis zum Hals in einer Lebenskrise steckend, publizierte er Songs, die brutal ehrlich seinen Zustand in die Welt rockten. Er sang das erste Mal auf Deutsch – und wurde verstanden. Zusammen mit Produzent Matthias Hoffmann erblickte damals WIRTZ das Licht der Welt.

Das erste Album erschien ein Jahr später – und etwas Eigenartiges geschah: Über die folgenden Jahre wuchs seine Gefolgschaft, ohne dass es dazu Werbung, Fernsehauftritte oder Unterstützung großer Labels bedurfte. Seine Fans brachten WIRTZ ihren Freunden näher. Es wurden mehr und mehr. Wie von selbst landeten seine Alben so irgendwann in den Top Ten.

Vor zwei Jahren lernte ihn dann endlich auch der Rest der Republik kennen – er wurde zu „Sing meinen Song“ eingeladen und sang plötzlich mit den bekanntesten Namen des Musikgeschäftes. Kurz danach bekam er mit „One Night Song“ sogar seine eigene Sendung, er tourte mit Udo Lindenberg und Xavier Naidoo und war ganz oben angekommen, ohne je danach getrachtet zu haben.

Nun erscheint sein neues Album „Die fünfte Dimension“ und Daniel kam aus diesem Anlass und für unser exklusives Shooting auf einen Sprung nach Berlin geflogen, wo wir bei der Gelegenheit in Ruhe mal über alles reden konnten: über die Bindung zu seinen Fans, über das Vatersein, wie man nebenbei zum Medienstar wird und über dem großen Fluch der Musikbranche: Spotify.

Eigentlich bist du angekommen: Eigenes Label, ein festes Team, mit dem du lange zusammenarbeitest, eine gewachsene, große Fanbasis, und nun auch durch das Fernsehen ein wenig berühmt … und dann klingt das neue Album fast wieder so, als wärst du in eine Midlife-Crisis gefallen.
(lacht) Es ist ja nicht alles immer autobiografisch. Man läuft mit offenen Augen durch das Leben und mit dem, was man sieht, setzt man sich auseinander. Aber ja, die letzten zwei Jahre waren für mich sehr aufregend, im guten Sinn. Wenn Udo Lindenberg anruft, um mit ihm die großen Stadien zu spielen, Xavier Naidoo dich mit auf Tour nimmt, wenn du aus deinem kleinen, süßen, überschaubaren Rock-’n’-Roll-Zirkus rausgerissen wirst und auf einmal auf dem roten Teppich beim ECHO oder Bambi läufst – das ist ein komplett anderer Kosmos. Komischerweise habe ich durch all das wieder zu mir selbst gefunden. Es ist vergleichbar mit dem Gefühl, wenn du vier Monate Weltreise gemacht hast und kommst dann in deiner kleinen Bude wieder an: Durch dieses In-der-Welt-Sein bin ich dann wieder mehr bei mir selber angekommen.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 10 (Herbst 2017).

(6 Stimmen)
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