Drangsal
Chris Gonz

Drangsal

Keine Hemmungen
Geltungsdrang und Eitelkeit, Reibung und Provokation: Drangsal liebt es, uns vor den Kopf zu stoßen.

Die Verwirrung, die „Turmbau zu Babel“ ausgelöst hat, war schon beeindruckend. Die erste Single von Drangsals neuem Album „Zores“ ließ befürchten, dass Farin Urlaub vielleicht schon seine Anwälte auf ihn angesetzt hat, denn der Refrain klingt wirklich wie der einer Die Ärzte-Nummer. Man hätte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Aber genau dafür steht Max Gruber: Er hat einfach keine Hemmungen. Und es war ja seine „Ihr könnt mich alle mal“-Einstellung, sein riesiges Ego und seine große Klappe, die ihn vor zwei Jahren so erfolgreich gemacht haben. Gute Musik allein erzeugt heutzutage kaum mehr Aufmerksamkeit – was dazu gehört, ist ein Charakter. Ein Wiedersehen mit einem liebenswerten Radikalen.

Zwei Jahre ist es her, dass wir uns gesprochen haben und es ist wahnsinnig viel passiert: „Harieschaim“ erschien, dann deine Tour, der Pop-Preis-Gewinn, die Gastfeatures und Projekte wie Die Mausis … Wie ist es denn nun, Musiker zu sein – und dann auch noch ein erfolgreicher? Geil? Oder ist es Stress und du fragst dich, was du da eigentlich machst?
Das ist eine interessante Frage. Es passieren so viele Sachen, die man sich erträumt hat – aber immer anders, als man sie sich ausgemalt hat.

Was ja eine ganz normale Erfahrung ist …
Voll!

War es denn z. B. ein Spaß, für „Keine Angst“ mit Casper zusammenzuarbeiten?
Das war easy! Ich kann mich aber nicht mehr erinnern, wie wir ihn geschrieben haben. Das Instrumental war schon fast da, aber der Text und Hooks … Ich habe das so Demo-mäßig eingesungen und bin davon ausgegangen, dass ich das noch mal machen werde – und dann ist das so auf die Platte gekommen. Krass war es, weil ich dann mit Casper auf dem Southside und dem Hurricane gespielt habe, vor 60.000 Leuten – und diesen Songs gesungen. Da fragst du dich schon: Was geht denn da!?

Wie schnell kommt man denn von „Ich lebe meine Kreativität“ zu „Ich mache meinen Job“?
Es kommt drauf an. Wo es mir besonders auffällt, das war auch in den letzten Tagen, ist bei der Radiopromo. Es ist so unpersönlich. Ich meine, wir beide kennen uns, sitzen uns gegenüber, es ist entspannt und man führt ein längeres Gespräch. Bei Radiopromos stellst du dich vor und es geht direkt los und dann sprichst du noch ein „Hi, hier ist Blablabla!“, und dann bist du wieder raus. Nicht, dass ich es nicht gerne mache, es macht mir immer noch Spaß, aber jetzt, bei der zweiten Runde, kennst du die Abläufe. Aber ich freue mich übelst, dass die Leute immer noch Interesse haben! Bei einer zweiten Platte ist es ja so, dass die Leute sagen, ach, da haben wir schon bei der ersten so groß drüber berichtet, den Charakter schon so erklärt, das lohnt sich für uns nicht. Ein neues Album macht jeder.

Naja, bei dir war der Hype schon anders und größer, und deswegen auch bleibender, das weißt du schon, oder?
Aber genau deswegen wäre es ja so, dass man das nicht noch einmal so groß angehen müsste … Ich hatte aber schon Zeit, das zu reflektieren, und mir vor allem über die Dinge Gedanken zu machen, die ich nicht mehr so machen möchte.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 12 (Frühling 2018).

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