Namika
David Daub

Namika

Dschungel im Kopf
Wie Namika wurde, was sie ist.

Die 27-jährige Namika, bürgerlich Hanan Hamdi, war mit ihrem Debüt-Album „Nador“ nicht nur hierzulande, sondern auch im europäischen Ausland erfolgreich. In dem Nachfolger „Que Walou“ lässt die Rapperin und Sängerin jetzt Alternative-Pop, HipHop und orientalische Klänge verschmelzen. Namika singt und rappt über Liebe, Identitäten und die schmerzhafte Erfahrung, ohne Vater aufgewachsen zu sein. Ein Leben zwischen zwei Kulturen.

Que Walou“ ist eine Redewendung aus dem in Zentralmarokko gesprochenen Berberdialekt Tamazight. Sie bedeutet entweder „wie nichts“ oder „für nichts“. Was willst du damit ausdrücken?
Ich habe daraus mein eigenes Mantra entwickelt. Selbst wenn ich etwas für nichts gemacht habe, habe ich es gern gemacht.

„Ahmed (1960–2002)“ hast du deinem Vater gewidmet, den du nie kennengelernt hast. Hast du mit deiner Mutter viel über einen Vater gesprochen?
Ich habe meine Mutter natürlich befragt, und sie hat mir die Geschichten erzählt, mit denen ich dann den Song schreiben konnte. Als Kind hat mir eine Hälfte gefehlt. Ohne dieses verloren gegangene Puzzlestück gab es für mich kein ganzes Bild.

Was weißt du über deinen Vater?
Er stammt aus Marokko, aus einem relativ wohlhabenden Elternhaus. Er musste nie wirklich arbeiten. Und dann kam er nach Deutschland, ein Land, das vom System her komplett anders funktioniert. Hier musste er feststellen, dass er keinen Anschluss findet. Er kam nicht damit klar, dass man in Deutschland im Prinzip nichts ist, wenn man nicht arbeitet. Meine Mutter hat die Miete bezahlt, als sie noch schwanger mit mir war. Es war ihm alles zu viel, nehme ich an. Auf einmal war er verschwunden; auch kein Privatdetektiv hat ihn aufspüren können. Bis wir nach ein paar Jahren herausfanden, dass er abgeschoben wurde und in Marokko im Gefängnis saß. Es fiel mir schwer, den Song zu schreiben. Aber ich wollte dieses Thema endlich abhaken. Und ich möchte Menschen Mut zusprechen, denen es ähnlich ergeht. Schlechte Verhältnisse müssen kein Hindernis für Glück sein.

Wie erging es deinem Vater nach dem Gefängnis?
Als er aus dem Gefängnis kam, wurde bei ihm Krebs diagnostiziert, und er wollte uns zurückhaben. Das hat mein Großvater verneint – mit welchem Recht fordere er seine Tochter zurück? Noch nicht mal er selbst kam zu uns, sondern sein Schwager. Der hat damit gedroht, dass mein Vater mit Anwälten und dem Königshaus vernetzt sei. Er würde mich sogar kidnappen. Seitdem durfte ich bei Besuchen in Marokko nie wieder alleine draußen spielen, auch nicht vor der Haustür.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 12 (Frühling 2018).

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