Herbert Grönemeyer
Antoine Melis

Herbert Grönemeyer

Der deutsche Springsteen
Tumult im Land: Grönemeyers 15. Album.

Er kann keine Fragen für uns beantworten, aber er spiegelt uns mit jedem neuen Album, immer dann, wenn wir den Blick auf und in uns am meisten brauchen, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Ohne Grönemeyer würden wir in einem schlechteren Land leben.

Es gibt nur eine Stadt in diesem Land, die eine eigene Hymne hat. Sogar eine, die ohne offizielles Brimborium freiwillig und mit Inbrunst seit mehr als drei Jahrzehnten gesungen wird, regelmäßig sowieso von den Fans des heimischen Fußballvereins. Eine Hymne, die das ganze Land kennt und mag; den meisten Deutschen fällt wohl zuerst die Titelzeile ein, wenn sie den Namen der Stadt hören.
Dieses Lied in das Bewusstsein einer Nation zu implementieren, wäre die erfolgreichste Marketing-Kampagne einer Stadtvermarktungsagentur seit Erfindung des Stadtmarketings gewesen – wenn es sich denn um eine solche gehandelt hätte. Hat es aber nicht, der junge Sänger und Schauspieler Herbert Grönemeyer hat 1984 einfach ein Liebeslied für seine Stadt geschrieben. Das war für die Kommune ein ähnlicher Glücksgriff wie Joe Dassins „Les Champs-Élysées“ für Paris. Dabei hat Bochum bei aller Zurückhaltung eben doch nicht das Flair der Seine-Metropole, sondern nur einen „Pulsschlag aus Stahl“. Und auch das ist lange her. Sehr lange. Herbert Grönemeyer ist aber noch immer da.

Bis heute hat er mehr als 15 Millionen Alben verkauft. Schon das ist eine beachtliche Zahl, da ist der Zweitwagen längst abbezahlt. Wenn man darüber hinaus in Rechnung stellt, dass er grundsätzlich in seiner Muttersprache unterwegs ist (ein paar Ausflüge ins Englische dürfen hier vernachlässigt werden), die sich zum Popidiom schwer tauglich erwies, ist der von Grönemeyer erreichte Quotient aus potenzieller Zielgruppe und realer Reichweite etwa mit dem von Bruce Springsteen vergleichbar, der insgesamt natürlich ein paar Alben mehr vertickt hat. Gröni ist eine ähnliche Ikone im deutschen Sprachraum und in Authentizität und Wahrhaftigkeit durchaus mit dem Rock-Songwriter-Übervater vergleichbar. Seine ersten Karriereetappen waren aber um einiges steiniger als jene des Amerikaners, der kontinuierlich auf den großen Erfolg (mit „Born To Run“ 1975) hingearbeitet hatte. Zu dieser Zeit war der Bochumer gerade 19 und sammelte erste Erfahrungen als Sänger einer Rockband.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 14 (Herbst 2018).

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