Diane Weigmann
Chris Gonz

Diane Weigmann

Eine selbstbestimmte Frau
Diane Weigmann über Mut, Stolz und Sollbruchstellen.

Diane Weigmann ist eine der gefragtesten Songwriterinnen dieses Landes. Sie war Gitarristin der legendären Lemonbabies und ihre markante Stimme und ihre Kompositionen sind im Radio, im Kino, auf Hörspielen, in Erfolgsserien für Kinder und Jugendliche zu hören. Mit „Größer als Du denkst“ veröffentlicht sie nun ihr viertes Solo-Album. Schall. traf die Berliner Sängerin zu einem sehr offenen und ehrlichen Gespräch.

Dein letztes Soloalbum erschien vor sechs Jahren. Warum eine so lange Pause?  
Ich war in der Zeit aber nicht untätig und habe hinter den Kulissen gearbeitet, mit vielen anderen Produktionen wie mit meinem Team 3Berlin, unserem Kindermusikprojekt, und ich bin auch als Songwriterin für andere Künstler tätig gewesen. Meine eigenen Sachen hatte ich ganz schön lange aus den Augen verloren. Vor drei Jahren fing ich aber wieder an, mit Thimo, meinem langjährigen Gitarristen, und Henrik, dem dritten im Bunde, an meinen Liedern zu arbeiten. Ein schöner kreativer Prozess – es floss wieder und wir hatten viele gute Songs zusammen. Aber es gab dennoch ein paar Unwegsamkeiten, warum es bis zur Veröffentlichung dauerte. Henrik bekam einen festen Job in einer Werbeagentur, den er als freier Musiker nicht ablehnen konnte und so verzögerte sich die Produktion leider zeitlich und organisatorisch. Allen Unwegsamkeiten zum Trotz haben Thimo und ich im vergangenen Jahr alles Equipment eingepackt, uns für eine Woche von unseren Familien verabschiedet, in ein Häuschen in der Brandenburger Pampa eingemietet, es zu Ende produziert und dann abmixen lassen.

Viel Aufwand und Zeit, um es dann „nur“ auf dem eigenen Label Rotschopf Records zu veröffentlichen?
Das geschah aus der Not heraus. Ich wäre auch gern zu einem Label gegangen und hätte gesagt, hier, macht mal. Aber die Labels, die ich gut finde, hatten keine Kapazitäten. Andere lagen wie scheintot auf dem Boden, reagierten nicht oder versinken im Weltschmerz, weil sie keine Verkäufe mehr haben. Dann habe ich mit fataler Konsequenz gesagt, ich mache es selber. Frage aber bitte nicht, wann ich den Break-even erreichen werde, um das Geld wieder reinzubekommen. (lacht) Ich hatte aber auch das große Glück, von der Initiative Musik einen Teil der Produktionskosten dazuzubekommen. Ich verbiete mir einfach, da jetzt alles nachzurechnen. Das Ergebnis zählt, es zählt, etwas sehr Schönes geschaffen zu haben – nun es soll wahrgenommen werden und hoffentlich auch meine Fans überzeugen.

Ist man als Künstlerin stolz, die komplette Verantwortung zu haben?
Nicht nur das. Man ist viel unantastbarer. Keiner kann sagen, es ist halbherzig oder belanglos. Wenn derjenige es dann trotzdem als belanglos abtut, dann hat er nicht rein gehört und meine Geschichte und Vita nicht auf dem Schirm. Aber es würde mich nicht mehr tangieren.

Die Euphorie steht dir ins Gesicht geschrieben.
Ja. Aber ich weiß ja, dass ich als Rotschopf-Recordlabel so David-gegen-Goliath-mäßig unterwegs bin. Aber die Fans freuen sich sehr und supporten mich. Ich habe schon viele Vorbestellungen und freue mich, dass Songs schon im Radio laufen. Aber Tatsache ist auch, dass ich nicht damit rechnen kann, in die Charts zu kommen. (lacht)  
 
„1000 Prozent“, „Wie weich man landet“, „Land in Sicht“ – vertraute Assoziationen und teils sehr persönliche Texte. Klingt fast nach einer gesungenen Biografie.
Könnte man so sagen. Mit viel Erlebtem und auch allen Höhen und Tiefen.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 16 (Frühling 2019).

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