SCHALL.
Diese Seite drucken
Grossstadtgeflüster
Christoph Mangler

Grossstadtgeflüster

Luxusprobleme
Wie Grossstadtgeflüster aus reiner Pampigkeit plötzlich Erfolg hatten.

Frisch zurück von einer erfolgreichen Frühlingstour (zu der das neue Album eigentlich schon draußen sein sollte – aber dazu später mehr) und dabei Hallen von einer Größe gefüllt wie noch nie zuvor: Keiner ist von ihrem späten Durchbruch mehr überrascht als Grossstadtgeflüster selbst.

Denn es war ein langer und holpriger Weg bis dahin – immerhin gibt es die Rasselbande nun schon seit 2003. Es hat gedauert, bis sie von der kleinen Electro-Pop-Kultkapelle zu den Popstars wurden, die sie jetzt sind – dank einer Nummer, die eigentlich genau so gemeint war, wie sie heißt: „Fickt-Euch-Allee“. Aber dass GSGF sowieso keinen Schmerz kennen, bewiesen sie auch wieder vor ein paar Wochen bei ihrem Gig in der ausverkauften Columbiahalle, als auf der Bühne Jens Knie den Geist aufgab – sie aber trotzdem einfach weitersprang. Ein paar Tage später trafen wir sie und Raphael zu einem Kaffee in der Sonne zum Quatschen – derweil Chriz im Studio fleißig dabei war, das neue Album „Trips & Ticks“ endlich fertig zu mixen.

Ich war bei eurem Konzert in Berlin, und da stellt sich mir als erstes die Frage: Wie geht es deinem Knie, Jen?
Jen: Das war schon Scheiße – es war ja auch das zweite Mal. Das erste Mal im letzten August auf einem Festival, und danach haben sie es sich wohl nicht so richtig angeguckt, denn das hätte nicht noch mal passieren dürfen. So ist mir wieder die Kniescheibe rausgeflogen, und das bei der gleichen Bewegung, beim Springen. Ein Profisportler kann das kompensieren – ich scheinbar nicht. Ich will die Scheibe jetzt festtackern lassen – das Gefühl ist so eklig!

Und trotzdem bist du einfach weiter auf einem Bein rumgehüpft …
Jen: Das war das Adrenalin. Und ich kannte es ja schon. Der Schreck, wenn etwas das erste Mal kaputt geht und du nicht weißt, ob dir jetzt dein Bein abfällt, ist schlimmer!

Wir werden nicht jünger, und was ihr da in unregelmäßigen Abständen auf der Bühne treibt, ist ja Höchstleistungssport!
Raphael: Ich kann im Moment noch die Shows genau wie früher spielen – aber die Nachwirkungen sind komplett anders! Ich kann noch immer eineinhalb Stunden springen, denn auf der Bühne bekomme ich nicht mit, wie meine Knochen aufeinanderknallen. Am nächsten Tag aber habe ich Knie-, Rücken- und Allesschmerzen! Ich muss das akzeptieren. Wenn das ein Beruf sein soll – wogegen wir ja immer noch versuchen anzukämpfen ...

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 16 (Frühling 2019).

(0 Stimmen)
Schlagwörter :
Template Design © Joomla Templates | GavickPro. All rights reserved.