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Kadavar
Chris Gonz

Kadavar

Filmische Sphären
Die Tiere von Kadavar über ihre Anfänge, ihre Shows und die Kunst, sich Zeit zu lassen.

Kadavar sind schon lange keine kleinen Fische mehr. International ausverkaufte Touren, Chartplazierungen in den Top 20 – und das mit Stoner Rock, der die Grenzen zum Kraut hinter sich lässt. Woran man sehen kann: Manchmal hat auch wirklich die Musik Erfolg, die einfach richtig gut ist.

Noch ein paar Tage vor unserem Interview waren die Jungs in Marokko, um in einem französischen Film sich selbst zu spielen, eingeladen vom Regisseur persönlich, der diese Szene mit einem bestimmten Kadavar-Song im Kopf geschrieben hat. Welchen die Band, ganz filmtypisch, auch stundenlang wiederholen musste. „Wir haben immer dasselbe Riff gespielt“, stöhnt Frontmann Christoph „Lupus“ Lindemann. „Ich glaube, den Song spielen wir wahrscheinlich nie wieder!“ Und Casablanca ist jetzt auch nicht die schönste Stadt, musste er außerdem feststellen – doch genossen haben sie den Ausflug trotzdem, neben den Dreharbeiten konnten sie gut abhängen. „Wir wären gerne länger geblieben und hätten uns noch mehr Sachen angesehen“, ergänzt Schlagzeuger Christoph „Tiger“ Bartelt. „Denn die Märkte sind super! Frisch geschlachtete Hühner und direkt darunter die noch lebenden.“ Doch die Idee, Schauspieler zu werden, haben sie nach der Reise trotzdem gleich ad acta gelegt – und das, obwohl Kadavar richtig gut zu diesem Projekt passten, denn der Film wurde ganz old school analog auf Film gedreht.

Es war also kein Wunder, dass man die deutschen Vintage Stoner/Kraut-Rocker mit starkem psychedelischem Einfluss gefragt hat, daran teilzunehmen, denn auch ihre Leidenschaft sind altes Equipment, analoges Aufnehmen – und vor allem der Sound der 60er- und 70er-Jahre. Einer der häufigsten Vergleiche (und einer, den sie echt nicht mehr hören können) ist der mit Black Sabbath, wofür schon allein Lupus’ Stimme sorgt, denn die kann durchaus an Ozzy zu seinen besten Zeiten erinnern. Sie selbst nennen andere Vorbilder, wie Pentagram oder Hawkwind. Auch, dass sie wegen der vielen Totenköpfe auf Covern und Plakaten gleich als Okkult-Rocker eingeordnet werden, ist Unsinn. Sie spielen mit den alten Images, aber zu ernst nehmen sie es nicht. Sie lieben einfach die Ästhetik. Auch das mit den Vintage-Klamotten war anfangs eher Zufall – sie waren nämlich damals, als sie 2010 anfingen, vor allem in Secondhandläden auf Kleidungssuche, während sie noch in Bars im Prenzlauer Berg arbeiteten.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 17 (Sommer 2019).

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