Faber
Chris Gonz

Faber

Skandal! Skandal!
Satirisch und bitterernst: Das neue Album von Faber.

Leicht war es für Faber nicht, das zweite Album fertig zu kriegen. Und es ist auch kein leichtes geworden – aber ein sehr gutes.

Dass er spielen will, mit Bildern, Klischees und Moralvorstellungen, merkt man schon am Cover des neuen Albums von Faber, das stilistisch an die Titelseite einer Boulevardzeitung erinnert. Darauf ein überbelichtetes Foto eines Prominenten (Faber selbst), der ein wenig versoffen aussieht, in der linken oberen Ecke das rote Rechteck mit dem weißen Namen, rechts die Überschrift/der Albumtitel: „I fucking love my life“. Im Booklet gibt es noch mehr Bilder der Berühmtheit in weniger rühmlichen Posen. „Wir haben Paparazzi-Fotos inszeniert und das war natürlich sehr unangenehm“, erklärt Faber beim Gespräch mit SCHALL. im herbstlichen Berlin. „Ich dachte, es sei witzig und es sei eigentlich das, was alle Leute machen – im Internet, auf Instagram, jeden Tag …. nur ein bisschen verkehrt. Doch was ich vernachlässigt habe: Wenn es richtig unangenehm sein soll, dann musst du auch mega unangenehme Sachen tun, in echt, damit das fotografiert werden kann – und das war peinlich! So tun, als kotzt du vor einem Casino ... Und die Leute denken natürlich, dass du das wirklich tust, du kannst ihnen auch nicht sagen: ,Nee, das ist nur zum Spaß.‘“

Die ganze Figur des Boulevard-Promis hat aber auch etwas Unangenehmes an sich, und zugleich entwickelt man fast Mitleid mit ihr. Erstaunlich, wie schnell und gut das funktioniert. Gleich das erste Vokalstück des neuen Albums, „Highlight“, nimmt sich diese Figur vor, die erzählt, sie hätte „alte Freunde gegen falsche ausgetauscht“, die sich allzu wichtig nimmt und zugleich nach  Aufmerksamkeit  lechzt, sich wie der letzte Arsch benimmt, um dann zu behaupten: „Ich Hure wollte euch doch nur gefallen.“ Wie kommt man darauf, so jemanden verkörpern zu wollen? „Es hängt eigentlich alles mit dem Titel zusammen“, so Faber. „Dass man, wenn man so sehr traurig ist, dass man es nicht an sich ranlassen möchte, sagt: ,I fucking love my life!‘ Schaut mich an, es ist alles so geil! Und das hing alles mit dem zusammen.“

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 18 (Herbst 2019).

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