SCHALL.
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Wanda
Florian Senekowitsch

Wanda

Vulgäre Wirklichkeit
Über die Notwendigkeit des Scheiterns, die Sanierung des deutschen Liedguts und die Unschärfe der Wahrnehmung bei einer Begegnung mit Wanda.

Eins der blödesten Dinge, die man am Anfang eines Interviews sagen kann, ist, dass alle Fragen bereits beantwortet zu sein scheinen, die man dem Musiker stellen könnte. Es würde nicht wundern, wenn der Musiker den Raum verließe oder dankbar ein kleines Nickerchen in seinen eng getakteten Medientag einschöbe. Als ich Marco Michael Wanda und Manuel Poppe, dem Gitarristen der Band, in einem österreichischen Café in Berlin-Kreuzberg gegenübersitze, sage ich es trotzdem – weil es der Wahrheit entspricht.

Nach ihrem Debütalbum „Amore“, das letztes Jahr erschienen ist, waren Wanda
in aller Munde,  bombardiert mit den ewig gleichen Fragen. Was also tun? Klar, sich andere Fragen ausdenken. Auch das ist jedoch nicht einfach, denn Wanda, allen voran Frontmann Marco, scheinen Fragen grundsätzlich für ein notwendiges Übel zu halten, und zu dem Wiener Charme, den sie versprühen, gehört das Kokettieren mit dem Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen. Außerdem ist eine knappe halbe Stunde nicht viel, um sich möglichst frei in die Gedankengänge des Gegenüber einzustimmen. Das gilt für beide Seiten. Vielleicht war ich auch seltsam drauf an dem Tag, im Kopf in Dauerschleife zwei, drei Lieder aus Wandas neuem Album „Bussi“, von dem „Sterne“ mich besonders fertigmachte, denn ich kam einfach nicht auf die Originalvorlage, von deren Existenz ich überzeugt war. Es klang wie …? „Da ist auch was, gell?“, bestätigt Marco, aber: „Ich komme auch nicht drauf, keine Ahnung.“
Das möge daran liegen, dass er mittlerweile wie Paul McCartney arbeite, erklärt er und zieht an der Zigarette. „Die Beatles hatten kein Geld, um sich Tonbandgeräte zu besorgen, wie sie begonnen haben. Deswegen gab´s eine Regel bei Lennon und McCartney, nämlich immer nur an dem Lied weiterzuarbeiten, das man sich am nächsten Tag noch merken kann. Ich nehme nur noch vereinzelt mit Recorder auf. Ich glaube generell, ein Ohrwurm ist genau eben diese süße Melodie, die bleibt ja, weil man sie schon mal gehört hat.“

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 2 (Herbst 2015).

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