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Die Prinzen
Sven Sindt

Die Prinzen

Endlich wieder Prinzen-Fan!
30 Jahre Die Prinzen: Zwischen Rückblick und neuer Euphorie.

Die Prinzen hatten vom Anbeginn ihrer Karriere einen ganz besonderen Status im Land – musikalisch genauso wie als Brückenbauer zwischen Ost und West. So ist es letztlich eine gesamtdeutsche Erfolgsgeschichte, die wir mit diesem Jubiläum feiern.

Millionär“, „Alles nur geklaut“, „Du musst ein Schwein sein“, „Küssen verboten“ – Die Prinzen haben unzählige Hits und gelten als eine der erfolgreichsten Bands Deutschlands. Pünktlich zu ihrem 30-jährigen Jubiläum veröffentlicht die Kombo aus Leipzig mit „Krone der Schöpfung“ ihr erstes Studioalbum seit sechs Jahren. Zwölf neue Songs und fünf Hits neu interpretiert mit musikalischen Gästen wie Deine Freunde, Die Doofen, Jennifer Weist und Eko Fresh gibt es darauf zu hören. Natürlich im Trademark-Sound der Prinzen mit munteren Melodien, A Capella-Gesang, mehrschichtigen Texten und jeder Menge Humor. Im Interview erzählt Sänger Sebastian Krumbiegel (55) von Nächten mit Udo Lindenberg, seiner Bewunderung für Rapper, dem schwierigen Prinzen-Hit „Deutschland“ und warum Demokratie auch 2021 weiblich sein sollte.

Herr Krumbiegel, „Ich wär’ so gerne Millionär, dann wär’ mein Konto niemals leer“ gaben Sie 1991 im Hit von Die Prinzen zum Besten. Davon können viele Künstler*innen derzeit auch ein Lied singen. Sind Sie erleichtert, dass Deutschlands Kulturszene so langsam wieder öffnet?
Also, erst mal hoffe ich, dass den Leuten da draußen Konzerte genauso fehlen wie uns. Denn uns fehlt es wirklich wahnsinnig, nicht nur finanziell. Ich habe früher diesen Spruch immer ein bisschen belächelt: „Der Applaus ist das Brot des Künstlers.“ Ich merke jetzt erst, wie sehr das wirklich wahr ist, und, um es mal ganz pathetisch zu sagen, dass wir die Auftritte vor Menschen brauchen wie die Luft zum Atmen. Aber klar mach ich mir auch Sorgen; Sorgen darum, dass viele Clubs sterben und dass dadurch, dass die Kultur so ein Stiefkind ist, viele Leute abspringen – nicht nur Musiker und DJs, sondern auch Crews. Aber wenn es dann wieder losgeht, werden alle auf einmal touren wollen, alle auf einmal Platten rausbringen wollen. Das dürfte spannend werden.

Mit jeder Menge Möglichkeiten zum Feiern …
Das hoffe ich sehr. Ich bin auch einfach ein unverbesserlicher Optimist. Es fällt mir manchmal schwer zurzeit, aber ich habe das als Programm in mir abgespeichert. Das mag Zweckoptimismus sein, aber ich finde es wichtig, nicht nur zu jammern, auch wenn es jede Menge Gründe gibt, Sachen zu kritisieren. Es ist nun mal wie es ist, wir sind vernünftige Menschen, wir wissen, dass mit so einem Virus nicht zu spaßen ist, dass wir cool und vernünftig bleiben müssen, damit wir das in den Griff kriegen können.

So eine Aktion wie #allesdichtmachen wäre offensichtlich nichts gewesen, wo Sie mitgemacht hätten.
Nee, das nicht. Ich fand die Aktion wirklich nicht gut, nicht cool und einfach nur zynisch. Aber ich fand den Aufschrei danach, wo Leute sogar Berufsverbote forderten, fast so unglücklich wie die eigentliche Aktion. Es ist meiner Meinung nach nicht schwarz/weiß zu sehen. Man muss tierisch aufpassen, es bilden sich da zurzeit so extreme Lager: Die einen machen eine Aktion, die anderen fangen sofort an, rumzukreischen. Jeder wird in eine Ecke gesteckt, aus der er auch schlecht wieder rauskommt. Ich hätte da nicht mitgemacht. Aber ich muss auch ganz ehrlich sagen: Wenn mich zehn befreundete Musiker angesprochen hätten, so nach dem Motto: „Hey, wir machen eine Aktion, wir wollen auf die Kultur in Corona-Zeiten aufmerksam machen“, dann weiß ich nicht, ob ich da sofort abgesagt hätte.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 24 (Sommer 2021).

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