SCHALL.
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Josh.
Carina Antl

Josh.

Ohne Druck
Josh. bleibt Romantiker.

Mit „Cordula Grün“ hat der Wiener Sänger Josh. einen Megahit abgeliefert. 2019 legte er sein viel beachtetes Debütalbum „Von Mädchen und Farben“ vor. Nun erscheint Album Nummer zwei: „Teilzeitromantik“.

Mit viel Wiener Schmäh, einer Spur Melancholie und vor allem mit den ihn prägenden grandiosen Wortspielereien hat der Amadeus-Gewinner 13 neue Songs mit seiner Band eingespielt. Der Albumname   lässt zwar vermuten, der Sänger ließe Romantik nur manchmal zu, aber als jemand, der schon knapp über 17 ist, weiß er auch, dass das Leben seine Tücken hat und nicht immer romantisch und nicht immer nur schön ist. So entstehen Josh.-Songs. Darunter ist natürlich sein Lockdown-Hit „Wo bist Du“, und die autobiographisch gefärbte Single „Ring in der Hand“. SCHALL. traf Josh. zum Interview in Wien.

Nachdem dein Karriereweg so richtig zum Durchstarten geebnet war, wie hast du das letzte Jahr erlebt?
Ich hatte Anfang des Jahres gesagt: „Jetzt fährst du auf Tour, danach hast du wieder Zeit. Dann wird das Album fertig gemacht.“ Ich hatte Merchandise gefertigt, viel Geld in die Produktion investiert. Wir hatten Bookings auf größeren Festivals, heißt, wir müssen auch mit guter Technik touren. Alles war fertig, um in die LKW geladen zu werden. Dann, zwei Tage vor Tourstart, war Feierabend. Und Wochen später der Schlag ins Gesicht, als man man die wahren Ausmaße verinnerlichte. „Erschwerend“ war dann auch mein privates Umfeld, obwohl es ja lieb gemeint war, wie von meinen Eltern, die meinten: „Alles, was momentan negativ erscheint, hat vielleicht auch etwas Gutes. Du hast nun Zeit, Songs zu schreiben.“ Ich dachte nur: „Shit. Ich habe aber gar keinen Bock, Songs zu schreiben.“ Ich wollte auf Tour gehen. Das erste Mal große Open Airs mit einem Slot, wo ich sage: Wie geil ist das denn?! Beim Taubertal Festival, zum Beispiel, die Hauptbühne! Das sind Highlights, auf die freust du dich einfach. Das musste ich erst mal verarbeiten.

Eine Situation, die alle Musiker betraf.
Ja, und auch bei mir ging es auf und ab. Dann kam aber eine Phase, wo ich das, was bisher in meiner Kariere geschah, sacken ließ, und mir sagte: „Was du bisher erreicht hast, ist schon enorm für eineinhalb Jahre. Viel erlebt und über 200 Tage nicht zu Hause.“ Dazu kamen aber auch Ängste. Das Gefühl, wenn du erfolgreicher wirst, dann glaubst du am Anfang, dass damit gewisse Sorgen, die du dir im Leben so ganz allgemein machst, weg sind. Weil du jetzt mehr Geld auf deinem Konto hast. Und dann kommst du beim darüber Nachdenken darauf, eine Therapie zu machen, weil du jetzt plötzlich Angst vor dem Versagen hast, die Angst, dass alles wieder den Bach runter geht. Ich hatte plötzlich dieselben Ängste vor der Welt da draußen wie zu dem Zeitpunkt, als ich „Cordula Grün“ geschrieben habe. Und da war das Konto so leer, dass ich weinend meine Mama angerufen habe, weil ich den Lichttechniker meiner Band nicht mehr bezahlen konnte. (lacht)  

Hast du therapeutische Hilfe in Anspruch genommen?
Nein. Ich wusste nur, ich musste etwas tun, etwas anderes. Musik wollte ich nicht. Worüber sollte ich auch schreiben? Dass ich zu Hause sitze an einem Mittwoch und nicht weiß, wie der Tag rumgeht? Also trieb ich viel Sport, reparierte mein altes Rennrad wieder und so weiter. Und dann kam sie wieder, die Lust, Musik zu machen. Scheinbar habe ich diese ungewollte Pause gebraucht. Ich hab dann über 20 Songs geschrieben.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 24 (Sommer 2021).

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