Alice Merton
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Alice Merton

Von allen Seiten
Das schwierige zweite Album? Von wegen, Alice Merton gibt sich entspannt und setzt auf Nahbarkeit und Tiefe.

Ein weltweit erfolgreiches Debüt ist das eine, ein zweites Album in diese Welt zu bringen, jedoch noch einmal etwas ganz anderes. Allerdings nicht für Alice Merton, die bei „S.I.D.E.S.“ völlig andere Fragen und Themen im Kopf hatte als so formalen Unsinn. Was genau der Grund ist, warum dieses Album so intensiv geworden ist.

Egal wie oft man in diesem Jahr das Gefühl hatte, dass man so langsam wieder normal existieren darf – noch immer grätscht der nervtötende Virus in unser Leben. Aber es ist wie es ist und wenn man ein verdächtiges Kratzen im Hals spürt, bleibt man nun einmal besser zuhause. Weshalb wir Alice Merton leider nur über den guten alten Zoom-Call treffen konnten, egal wie sehr der uns mittlerweile zum Hals raushängt. Safety First, denn niemand will jemanden anstecken, gerade in einer Geschäftswelt, in der die wichtigsten Menschen und tragenden Säulen von ihrer Stimme leben – und damit alle anderen Beteiligten anderen auch. Niemand muss das Bindeglied in einer Kette sein, die jemand anderen dazu zwingt, Aufnahmen abzubrechen oder ganze Tourneen abzusagen.

Doch ein Kratzen im Hals hin oder her, an sich geht es Alice Merton ziemlich gut in diesem Sommer, auch wenn sie einiges aufzuarbeiten hatte, wie ihr neues Album „S.I.D.E.S.“ zeigen wird. Doch sonst darf sie zu Recht zufrieden sein, vor allem bei dem Erfolg, den sie mit ihrer Musik bereits hat und der weit über Deutschland und über Europa hinaus geht. „No Roots“ und das Album „MINT“ waren echte, internationale Erfolge.

Was wohl auch daran liegt, dass sie ein internationaler Mensch ist. Geboren in Frankfurt am Main, aufgewachsen in Kanada, fühlt sie sich außerdem noch mit Frankreich und England auf eine Art verbunden, die sie paradoxerweise heimatlos macht. Was aber nicht negativ zu verstehen ist. Keine tiefen Wurzeln an einem Ort geschlagen zu haben, ist nämlich durchaus auch eine Form von Freiheit, die Alice auslebt und nutzt. Und das wirkt sich zwangsläufig auf ihre Kunst aus, die es vielleicht deshalb leichter hat, ein Zuhause an fernen Orten finden zu können.

Weswegen sie auch gerade wieder in den Vereinigten Staaten gewesen ist, wo sie als Support für Bastille mehrere Konzerte eröffnet hat. Wurzellos zu leben ergibt ja nur richtig Sinn, wenn man nicht genötigt ist, an einem Ort zu bleiben. Denn nervtötender Virus hin oder her – alle versuchen wieder, ihr Leben zu leben.

Wie war es, wieder zu reisen und in den USA unterwegs zu sein?
Richtig schön! Es war eine tolle Zeit mit Bastille und überhaupt auf der Bühne dort zu stehen. Es war wirklich toll.

Für dich könnten solche Auftritte ja mittlerweile eine Form von Normalität sein – in fernen Ländern, mit großen Stars auf großen Bühnen …
Es ist krass mit einer solchen Band unterwegs sein zu dürfen. Und sie wollten uns sogar für ihre ganze Tour haben. Aber wir konnten leider nicht, da wir unsere eigenen Konzerte spielten. Und ich bin mir schon bewusst, wie schön das alles ist. Wie glücklich wir uns schätzen können, dass wir das alles erleben dürfen. Dass unser Erfolg nicht begrenzt auf Deutschland ist, sondern, dass wir auch in anderen Ländern spielen – das ist ein sehr schönes Gefühl.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 27 (Sommer 2022).

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