Die Fantastischen Vier
Robert Grischek

Die Fantastischen Vier

Vier haben gewonnen
25 Jahre Die Fantastischen Vier auf Tonträger.

Die Fantastischen Vier zeigen keine Anzeichen von Müdigkeit. Sie haben immer die nächste Tour oder das nächste Album vor Augen. Das kürzlich veröffentlichte „Vier und Jetzt (Best of 1990 – 2015)“ ist da nur ein kleiner Zwischenschritt. Für 2016 und 2017 ist bereits eine Tour durch die größten Arenen des Landes geplant. Eine Hommage an eine beständig kreative und gleichermaßen auch beständig erfolgreiche Band, die der deutschen Musiklandschaft immer wieder ihren eigenen Stempel aufdrückt.

Die Fantastischen Vier werden aus vielerlei Gründen in die Geschichte eingehen. Ein paar dieser Gründe finden ihren Platz auch in diesem Artikel. Der schönste Grund allerdings – und so wurde es wahrscheinlich noch nie betrachtet – ist, dass „Die da!?!“ das deutsche „Rappers Delight“ ist. Wie das Original der Sugarhill Gang von 1979, bewies „Die da!?!“ im Jahr 1992, dass Rap auch im heimischen Kulturkreis eine ernstzunehmende Musikrichtung ist (um noch nicht zu sagen Kunstform), und dazu auch noch mit einem beachtlichen kommerziellen Potenzial. Der Song war der erste deutsche Hit aus diesem Genre und sollte die Musiklandschaft nachhaltig verändern.

Die HipHop-Puristen damaliger Tage hätten bei diesem Vergleich vermutlich aufgeschrien vor Empörung. Wie kann ein echter Klassiker aus dem Mutterland des HipHop mit dem albernen Spaß-Rap dieser weißen Mittelstands-Kids verglichen werden? Selbst der berechtigte Einwand, dass die in den Legenden-Status gehobene Sugarhill Gang eigentlich nur ein zusammengecastetes Industrie-Produkt war, wäre damals als ketzerisch abgetan worden. Was aus heutiger Sicht aber nicht mehr abgetan werden kann, ist, dass die Sugarhill Gang ein One-Hit-Wonder blieb, während die Fantas als Band eine amtliche, und vor allem beeindruckend kontinuierliche Karriere hinlegten, ohne große Tiefs, ohne große Dramen oder irgendwelche Personalwechsel. Die Fantastischen Vier sind immer noch Smudo (Michael Bernd Schmidt), Thomas D (Thomas Dürr), Michi Beck (Michael Beck) und And.Ypsilon (Andreas Rieke), wie schon am ersten Tag.

Und dieser erste Tag wird von der Band selbst ins Jahr 1989 datiert, denn da hatten die Vier den ersten Auftritt, bei dem sie, statt wie zuvor auf englisch, nun auf deutsch rappten. Auslöser war eine mehrmonatige Reise von Smudo und Thomas D durch die USA, bei der sie dem HipHop-Vibe auf die Spur kommen wollten. Zurück kamen sie mit der Erkenntnis, dass nur die deutsche Sprache ihnen die Möglichkeit gibt, sich authentisch – und wie sie vor dortigem Publikum feststellen mussten – auch unpeinlich auszudrücken. So wurde aus „The Terminal Team“, wie die Band vorher hieß, „Die Fantastischen Vier“. Wäre das eine Vereinsgründung gewesen, hätte in der Satzung vermutlich gestanden: „Ziel der Gründung: Der Pop-Olymp!“ Thomas D erklärte Anfang 2015 in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung: „Wir waren schon früh sehr Medien- und Kamera-affin. [...] Wir wollten Popstars werden.“

Kurz nach diesem ersten prägenden Auftritt auf Deutsch ging es mit einem Demo in der Hand in den lokalen Plattenladen von Andreas „Bär“ Läsker, der nicht lange fackelte und das Management der Band übernahm. Er sorgte dafür, dass die Fantas, die sich schon am Anfang ihrer Karriere den Ruf einer guten Live-Band erarbeiteten, bereits ihr erstes Album bei einem Major-Label veröffentlichen konnten. Im Spätsommer `91 erschien bei Columbia Records dann das Debüt „Jetzt geht’s ab“. Doch so richtig ab ging es dann aber noch nicht. Ohne Single blieben auch die Verkaufszahlen des Albums überschaubar. Doch wie sich zeigen sollte, hatte Columbia trotzdem das richtige Gespür gehabt, denn das zweite Album, das bereits ein Jahr später erschien, im Spätsommer `92, sollte alles auf den Kopf stellen. „4 Gewinnt“ zeigte, wie sehr die Vier gewinnen konnten. Im Sog der Hitsingle „Die da!?!“ wurden über 800.000 Alben verkauft, es regnete gleich dreifach eine Goldauszeichnung und die Platte blieb ganze 44 Wochen in den Charts.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 3 (Winter 2016).

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