Silbermond
Chris Gonz

Silbermond

Neumond
Silbermond und die Flucht nach vorn.

Die Musiker um Frontfrau Stefanie Kloß waren um die 19 Jahre jung, als sie ihren ersten Plattenvertrag unterschrieben. Der Beginn einer beispiellosen Popkarriere mit etlichen Hits und vier Alben, die mindestens Platz 2 der Media Control Album Charts erreichten. Jetzt, eine Dekade später, bemerkten die Wahlberliner aus Bautzen, dass die rasante Erfolgsgeschichte aber auch ein Hamsterrad ist.
Die Luft war raus und die erste Atempause forderte ihren Tribut: Aufhören oder Neujustierung.

Damals, im alten Jahrtausend, hatten sie als Coverband angefangen. Sie waren Schüler in Bautzen – und noch war Silbermond nicht Silbermond. Selbst als sie entdeckten, dass sie Lust hatten, eigene Lieder zu schreiben, waren die Texte noch auf Englisch. Weil man sich hinter einer fremden Sprache gut verstecken kann, und vor allem: es war damals einfach cooler. Doch dann kam Andreas „Nowi“ Nowak, Schlagzeuger der Band, mit dem ersten deutschen Text, „und das hat sich von Anfang an richtig angefühlt“, sagt Stefanie Kloß. So ging es Johannes Stolle (Bass) und Thomas Stolle (Gitarre und Klavier) auch. Das war 2001 – und damals nannten sie sich noch JAST. Ein Jahr später wurden sie zu Silbermond und kurz darauf wurde ihre Musik zu einem der Gründe, warum es heutzutage Normalität ist, überall deutsche Texte zu hören. Damals hingegen: „Man wurde gefragt: ,Wollt ihr Schlager machen?‘ Man war das nicht gewohnt. Im Radio hast du ja auch nichts Deutschsprachiges gehört, außer von den Hosen, den Ärzten und von Grönemeyer“, erinnert sich Andreas. Doch wenn jetzt ihr neues Album „Leichtes Gepäck“ in die Charts einsteigt, dann sind Silbermond nicht mehr die Exoten, sondern umgeben von Vielen, die ihnen gefolgt sind – einige davon haben sogar mit ein wenig Hilfe der Band angefangen. Die Liste an Namen, die ihr erstes großes Publikum als Vorband von Silbermond fanden, ist lang, denn „wir haben es selbst erlebt: um Support zu sein, hat man viel Geld zahlen müssen, und das saugt dich als junge kleine Band aus. Deshalb wollen wir eine Plattform liefern“, sagt Stefanie. Die Band sucht sich die Künstler selber aus, hört heute die Streams und früher noch die CDs, die ihnen zugeschickt wurden. „Sie müssen nichts bezahlen, sie müssen nur ihre Instrumente mitbringen und sich selbst. Es gibt ein Extra-Pult, extra zwei Leute, die helfen, extra Catering.“ Diese Bands schreiben ihnen immer wieder, dass es geholfen hat, durchzuhalten und nicht aufzugeben. „Wir wissen noch genau, wie das ist. Die ersten Bandwettbewerbe, die ganzen Stadtfeste in Bautzen, der allererste Artikel in der Sächsischen Zeitung ...“

Ihre eigene Karriere lief derweil wie auf Schienen, sie erreichten alles, was man in diesem Land erreichen kann. Ihr Debüt „Verschwende deine Zeit“ von 2004 schaffte es sofort auf Platz Zwei, „Laut gedacht“ (2006) und „Nichts passiert“ (2009) wurden jeweils Platz Eins der Album Charts, allein die Single „Das Beste“ erreichte Platz 1 der Single-Charts und erhielt 3 x Gold. Das Album „Himmel auf“ von 2012 wieder Platz Zwei – doch dann ... dann wäre es fast nicht mehr zu einem neuen Album gekommen.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 3 (Winter 2016).

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