Drangsal
Jim Rakete

Drangsal

Stürmen und Drängen
Drangsal, ein junger Wilder.

Max Gruber lebt nicht in der Vergangenheit, er feiert sie. Sein Album „Harieschaim“ ist mehr als eine Liebeserklärung an die Indiemusik der 80er – es ist die Musik der 80er. Noch niemand hat den Klang von New Wave, Post Punk oder Dark Wave so aufgenommen wie Max Gruber aka Drangsal. Dass er dabei fast jedes Instrument selbst spielt, zeigt, dass er gleichzeitig ein Künstler für die Zukunft sein wird. Wir sind nicht die Einzigen, die in ihm „the next big thing“ sehen.

Wie kam der Sound dieser Zeit zu dir?
Meine Eltern waren jung in den 80ern. Mein Vater hatte früher eine Kneipe und dafür immer Mixtapes gemacht, und da waren Künstler drauf, die ich immer noch  höre: DAF oder B-52s ... Mit 13, 14 bin ich auf The Smiths und Morrissey gekommen, und das hat die Tür noch weiter geöffnet – von da dann zu Depeche Mode, und Prefab Sprout mag ich natürlich auch unfassbar gerne. Ich habe nie The Cure oder Joy Division gehört, witzigerweise! Aber dann Soft Cell. XTC, dann ging die ganze NDW-Kiste los, Ina Deter, ich liebe Hubert Kah, ich liebe auch Klaus Lage. Ich habe alles wie ein großporiger Schwamm aufgesogen und nie wieder rausgelassen. Es ist genau der Sound und genau die Art und Weise, wie Platten produziert wurden … das löst bei mir etwas aus.

Ausgerechnet die beiden Bands, die den meisten als Erstes bei deiner Musik einfallen, hast du gerade ausgeschlossen.
Da habe ich mir auch Gedanken drüber gemacht. Diese beiden Bands fassen den Sound halt gut zusammen. Aber mir war tatsächlich nie bewusst – bis ich mich damit mal näher beschäftigt habe –, dass The Cure überhaupt so bekannt waren, ich dachte eher, die wären so wie Palais Schaumburg. Ich kenne die Lieder auch alle, in und auswendig, aber es gibt mir nicht so viel. Und ich finde, mich mit The Cure vergleichen, kratzt da nur an der Oberfläche.

Dein Sound hat diesen universellen Klang des Teenager-Seins – das Lernen des Umgangs mit den eigenen Gefühlen, die Entfremdung von der Gesellschaft und Familie, die erste Liebe, die so wichtig ist, dass man völlig daran eingeht.
Voll. Absolut. Es ist so ’n bisschen langweilig, oder? Weil es immer wieder Thema ist. Ich merke ja selbst, wie ich in so klischeebehaftete Musikerschubladen gesteckt werden kann. So dieses typische Comig-of-Age-Ding.

Aber es ist ja die Wahrheit.
Ja, man kann ja nichts anderes erzwingen. Ich hätte keine Lust und Kapazitäten, etwas zu erfinden, was ich gar nicht wirklich so empfinde. Das kann ich gerade noch nicht. Ob das jetzt tiefgehende Gefühle oder Oberflächlichkeiten sind, ist egal – es ist irgendwie echt.

Es funktioniert ja auch, denn es triggert diese – für mich alten – Gefühle wieder.
Das ehrt mich total. Dass es den Nagel so auf den Kopf trifft.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 4 (Frühling 2016).

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