Laith Al-Deen
Chris Gonz

Laith Al-Deen

Der eine Ton
Laith Al-Deen bleibt unterwegs.

Wenn Laith Al-Deen heute zurückblickt, dann sieht er keinen geradlinigen Weg hinter sich. Kurven schlängeln sich durch Berge und Täler. Entlang der Strecke hat er viele musikalische und emotionale Höhen und auch Tiefen, Umwege und Durststrecken erlebt. Sein Ausblick ist jetzt 360°.

Es ist Anfang Juni und Laith Al-Deen steht in einem kleinen Fotostudio in einer Künstler- und Kreativen-WG in Berlin- Prenzlauer Berg, der Himmel über der Stadt ist klar und kristallblau, und die Sonne leuchtet. Die Wohnung ist wie aus der Zeit, als hier noch jedes zweite Haus voll mit Kreativen, Ofenheizungen und kahlen Wänden war und noch nicht durchgentrifiziert. Eine Freundin des Fotografen entspannt sich in der Sonne auf dem Balkon, in der Küche wird Kaffee gemacht, indem man das Wasser in einem Topf kocht. Eine Szene, fast zu perfekt, beinahe wie eine Parodie dieses Berlins von vor 20 Jahren. Doch alles hier ist echt, nichts gestellt, vor allem nicht Laith, der während des Shootings gut gelaunt „Get Off“ von Prince pfeift und jedem die Melodie in den Kopf setzt. Niemand wird sie an diesem Tag mehr los werden. Aber warum sollte er auch keine gute Laune haben? Die Krise, in der er vor einigen Jahren steckte und die er mit seinem letzten Album „Was wenn alles gut geht“ verarbeitet hat, ist jetzt schon wieder lange her. Eine Phase. Er hatte Blutdruckprobleme damals, Tinnitus, kurz gesagt einen Burn-out und eine Schaffenskrise. Er hat es damals auch nicht verheimlicht – und ja, letztlich ging alles gut. Seitdem lebt er ein neues altes Motto: Unterwegs bleiben. Doch eins nach dem anderen.

„Vater-Mutter-Kind“ oder „Hawaii vs. Mannheim“

Eine halbe Stunde zuvor saßen wir in der WG-Küche, und wenn man so eine entspannte Umgebung und eine Menge Zeit hat, und dazu einen Musiker im Gespräch, der seit fünfzehn Jahren mit jeder Veröffentlichung in die Charts kam (inklusive eines Nummer-eins- Albums – wobei sein letztes nur knapp daran scheiterte, das zweite zu werden), warum nicht da anfangen, wo alles begann? Nicht jeder hat so eine Familiengeschichte wie Laith Al-Deen. Laiths Vater kam in den 60ern aus dem Irak nach Deutschland, um zu studieren. Es sollte Medizin werden, doch der letzte freie Platz wurde ihm vor der Nase weggeschnappt. „Er hat sich gedacht: ,Ach komm, dann eben Maschinenbau, ist doch fast das Gleiche!‘“, lacht Laith. In Karlsruhe traft sein Vater die Frau, die Laiths Mutter werden sollte. Es hat sofort gefunkt. Kurze Zeit später wurde bereits ihr Sohn geboren. „Das ging relativ zügig, ja. Sie haben da nichts groß anbrennen lassen.“ Am Anfang versuchte die Familie in Bagdad zu leben, aber seine Mutter passte nicht in diese Welt. „Schwer emanzipiert, rothaarig – und sie sagt ihre Meinung. Das passt in ein solches Land nicht ganz hinein. Sie hat auch gerne mal meine Tanten aufgewiegelt“, lacht er schon wieder.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 5 (Sommer2016).

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