Manfred Krug
Steffen Jänicke für Warner Music

Manfred Krug

Danke, Manne!
Manfred Krug arbeitete bis kurz vor seinem Tode an einem neuen Album, jetzt haben es Kollegen und Freunde fertiggestellt.

Als 2014 Manfred Krugs Album „Auserwählt“ veröffentlicht wurde, rückte einmal mehr ins kollektive Gedächtnis, dass der populäre Schauspieler ein mindestens ebenso großartiger Sänger war. Das Album platzierte sich in den offiziellen Charts und wurde mit dem Jazz-Award in Gold und Platin ausgezeichnet. Anlässlich seines 80.Geburtstages wollte der charismatische Künstler sein generationsübergreifendes Publikum mit einer persönlichen Werkschau überraschen. Die Songs waren ausgewählt, die Arrangements geschrieben, das Filmorchester Babelsberg verpflichtet – doch Manfred Krug starb überraschend.

Dass er später mal ein „working class hero“, ein Star zum Anfassen für die Leute von der Straße werden würde, schien schon in seinen ersten Lebensjahren angelegt. Geboren 1937 und aufgewachsen in Duisburg, ausgerechnet der Stadt, wo viel später sein großer Tatort-Konkurrent Schimanski wilderte, verschlug es den jungen Mann, den abenteuerliche Lebensumstände im Zuge des Krieges und dessen dramatischen Endes schon früh hatten reifen lassen, unmittelbar nach Gründung der DDR nach Leipzig. Hier kam er nach den hektischen Wirren erst mal bei sich selbst an, die Stadt hatte bis zum Schluss ein besonderen Platz in seinem großen Herzen: „Aber am meisten beglückte mich in Leipzig …“ resümierte er in seinem letzten großen Interview für den STERN, „…dass die Sachsen weniger fies waren als die Rheinländer. Wenn sich Rheinländer im Treppenhaus begegnen, lästern sie. ,Wie die aussieht, und was die anhat, wie eine Dirne!‘ In Leipzig waren die Leute sanftmütig und fair.“

Wie es seinem biporalen Naturell entsprach, das ihn stets zwischen Derb- und Sanftheit, dem Hang zum Handfesten, aber auch einem tiefen Sinn für Kunst  changieren ließ, bildete sich der junge Mann, der längst einen Narren an Performance in jeglicher Hinsicht gefunden hatte, erst mal zum Stahlarbeiter aus. Das kräftigte die Figur, verschaffte ihm ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und auch eine markante Narbe mitten auf der Stirn, die von Spritzern flüssigen Metalls herrührte.


Draufgängertyp mit Arbeitercharme
Raubeine mit proletarischem Charme wurden damals auch in der Schauspielerei gesucht. Das Schauspielstudium musste er wegen permanenter Probleme mit der Disziplin zwar abbrechen, doch ab 1955 durfte er sich Eleve am brechtschen Berliner Ensemble nennen. Das war so ziemlich die Spitze dessen, was auf deutschen demokratischen Theaterbühnen zu erreichen war. Schon bald wurde auch der Film auf den jungen Mann mit dem betörenden Duft der Authentizität aufmerksam. In seiner ersten Film(neben)rolle spielte der 1957 (er war gerade 20) in dem Kurt-Maetzig-Straßenfeger „Vergesst mir meine Traudel nicht“ einen Rock ’n’ Roll-Sänger. Als er 1960 mit dem klassenkämpferischen Spanienkrieg-Abenteuer „Fünf Patronenhülsen“ seinen Durchbruch feierte, war er sich seines speziellen Charismas bereits sehr bewusst. Der Cast umfasste an der Seite von Star Erwin Geschonneck bereits die künftige Spitze der männlichen Schauspieler des Ostens, unter anderem Armin Müller-Stahl, seinem Freund und Widersacher. In „Beschreibung eines Sommers“ spielte Krug 1962 einen realsozialistischen Ingenieur und Frauenheld, der Film ging verblüffend offen mit der Realität im frisch eingemauerten Land um, ein Blockbuster damals.

Zwei Jahre später kam mit „Mir nach, Canaillen!“ der erste einer Reihe von Mantel-und-Degen-Streifen der DEFA in die proppevollen Kinos. Mit viel Aufwand und Starbesetzung gedreht, war dieses launige Spektakel ebenso wie die Nachfolger „Hauptmann Florian von der Mühle“ (der erste Cinemascope-Film der DEFA) und „Husaren in Berlin“ ganz auf die Wirkung eines Filmstars abgestellt. Das Volk liebte seinen Krug, weil er nicht zu den abgehobenen Künstlern zu gehören schien. Er verkörperte den klassischen Kumpeltyp: kantig, aber ehrlich. In gewisser Weise war er das DDR-Gegenstück zu Jean-Paul Belmondo, der im selben Jahr seinen ersten Film gemacht hatte.

Lesen Sie mehr in SCHALL. Nr. 7 (Winter 2017).

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